Härtetest für Fahrradhelme mit guten Gesamtergebnis

5173368_Bild_Fahrradhelm_1_gross_webSchon bei der letzten Prüfung hat Stiftung Warentest den Fahrradhelmen mehr abverlangt als die Norm und auch beim aktuellen Test wurde die Stoßprüfung noch einmal erweitert. Einige Prüfkriterien orientierten sich dabei noch näher an praktische Belastungen.
Das Ergebnis ist insgesamt positiv. Fast die Hälfte der Helme schneiden gut ab (7 von 15). Beim Schutz der Schläfen haben viele Anbieter nachgebessert. Trotzdem zeigen einige Helme noch Schwächen beim Unfallschutz. Besonders ein „Falthelm“ schnitt schlecht ab. Er ist zwar platzsparend zu verstauen, hatte aber erhebliche Defizite bei der Schutzwirkung und landete darum nur auf den letzten Platz.

Tiefere Helmschale

Stürze auf Stirn und Schläfe sind bei einem Fahrradunfall besonders gefährlich. Nachdem wir unsere Tests lange an der Norm orientiert hatten, prüften wir vor zwei Jahren erstmals auch diese neuralgischen Punkte in einer erweiterten Stoßprüfung – prompt kassierten die Anbieter in diesem Prüf­punkt reihen­weise schlechte Noten: Beim Schutz der Schläfen­partie zeigten viele Helme ihre großen Schwächen. Das hat bei den Herstel­lern offen­bar etwas bewirkt. Viele Helmschalen im aktuellen Test reichen an den Seiten tiefer nach unten und schützen so auch die empfindlichen Schläfen.

Gute Helme ab 55 Euro

Insgesamt schneiden 7 der 15 geprüften Erwachsenenhelme gut ab – einer davon kostet nur 55 Euro. Daneben gibt es viel Mittelmaß, zum Teil für deutlich mehr Geld. Abzuraten ist vom einzigen Falthelm im Test. Er soll im Handumdrehen eingeklappt und in die Tasche gesteckt werden können. Auf dem Kopf bietet er jedoch nur ausreichenden Schutz.

Prüfungen jetzt noch praxisnäher

Wir haben die Prüfungen noch einmal erweitert und praxisnäher gestaltet als vor zwei Jahren. Die Helme fielen nicht mehr nur auf eine flache, sondern auch auf eine schiefe Ebene. Dadurch drehten sie sich beim Aufprall. Ein guter Helm muss auch vor dieser Rotations­bewegung schützen. Zudem prüften wir, ob der Helm nach hinten rutscht, wenn zum Beispiel ein Ast beim Fahren in die Quere kommt. Hier zeigten viele Schwächen. Die Norm prüft lediglich das Abziehen nach vorn, also gegen die Fahrt­richtung. Um Hand­habung und Komfort der Helme zu beurteilen, schickten wir Testfahrer auf eine mehrtägige Radtour nach Mallorca. Akribisch notierten sie ihre Eindrücke: Wie leicht lassen sich die Helme anpassen, wie bequem sitzen sie und wie warm wird es unter ihnen? Dabei entpuppte sich auch so manches Werbe­versprechen als heiße Luft.

Kein großer Effekt durch Mips

Die Anbieter Bell, Giro und Lazer werben mit der Mips-Technologie, die vor allem die Drehbewegungen beim Sturz abfangen soll: Dabei schmiegt sich eine Plastikfolie an den Kopf, die nur punktuell an der Innenseite der Helm­schale befestigt ist und sich leicht unabhängig von ihr bewegt. Das Mips-System macht einen Helm allerdings nicht zwangs­läufig zu einem guten Helm, wie unser Test zeigt.

Mehr Sicherheit dank Reflektoren

Sicherheit bietet ein Helm auch, wenn der Radler mit ihm im Dunkeln gut zu sehen ist – wenngleich dies nicht das Vorder- und Rücklicht ersetzt. Die Prüfer leuchteten alle Helme mit Scheinwerferlicht an und bewerteten, wie gut man sie erkennt. Dabei kommt es nicht darauf an, ob der Helm eine helle Farbe hat, sondern ob er einen Reflektor besitzt. Der kann bei Tageslicht sogar schwarz erscheinen. Wird er nachts angestrahlt, leuchtet der Helm des Fahrradfahrers dennoch hell.

Weitere Informationen: www.test.de