Kinderfahrradhelme im Test

Kleines Mädchen auf Laufrad mit Fahrradhelm„Jeder Helm schützt bei Unfällen besser als keiner“, so die Experten der Stiftung Warentest, die in der aktuellen Ausgabe 6/2016 etliche Kinderfahrradhelme genau unter die Lupe genommen haben.

Das erfreuliche Ergebnis dieses Tests ist, dass von den 19 getesteten Fahrradhelmen insgesamt 9 ein gutes Gesamturteil ausgewiesen bekamen. Bei der Stoßdämpfung – der Kernkompetenz von Fahrradhelmen – war sogar kein Fahrradhelm schlechter als „Befriedigend“.

Schläfe zu wenig geschützt

Der Test weist auch auf Defizite hin. Bei vielen Fahrradhelmen ist die Stirn- und Schläfenpartie nicht gut genug geschützt. Diese Kopfpartien sind nicht nur empfindlich, sie werden bei Unfällen auch häufig verletzt. Besonders ärgerlich ist außerdem, dass viele der getesteten Fahrradhelme auf retroreflektierende Elemente verzichten. So wird wichtiges Sicherheitspotential verschenkt.

Gift im Fahrradhelm

Drei der getesteten Fahrradhelme erhielten ein mangelhaftes Gesamturteil. Die Prüfer der Stiftung Warentest hatten Naphthalin nachgewiesen. Dieser polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoff steht im Verdacht Krebs zu erzeugen. Die betreffenden Fahrradhelme wurden daher zurecht abgewertet, obwohl sie bei der Stoßprüfung gut bzw. befriedigend abschnitten.

Ein Fahrradhelm muss passen

Die Experten der Warentest betonen, dass ein Fahrradhelm nur dann optimal schützen kann, wenn er richtig sitzt. Wie ein Fahrradhelm korrekt aufgesetzt wird erklären wir übrigens hier.

Das Prüfverfahren

Die Stiftung Warentest wäre nicht die Stiftung Warentest, wenn sie die Messlatte für die Sicherheit nicht ständig höher legen würden. Gut so! Das genutzt Prüfverfahren lehnt sich zwar an die EN 1078 an, die für den Test genutzte Aufprallgeschwindigkeit ist jedoch deutlich höher.

  • Aufprall auf Bordstein: EN 1078: 4,57 m/s → Warentest: 5,42 m/s
  • Aufprall auf flachen Boden: EN 1078: 5,42 m/s → Warentest: 6,00 m/s

Der Prüfkopf in keinen Fall Beschleunigungen von mehr als 250g ausgesetzt sein. Die Tests wurden bei minus 20 und plus 50 Grad durchgeführt. Der Aufprall erfolgte jeweils frontal, hinten, seitlich sowie vorn links und vorn rechts. Zur Bewertung wurde nicht nur die maximale Beschleunigung des Prüfkopfes herangezogen, sondern zusätzlich der HIC-Wert (Kopf-Verletzungs-Faktor) berücksichtigt.

Darüber hinaus erfolgte eine erweiterte Stoßprüfung. Hierfür wurde ein spezieller Prüfkopf genutzt, der auch die Einwirkzeit des Stoßes und die Rotationsbewegung des Kopfs berücksichtigt.

Was der Test nicht sagt

Beim Fahrrad oder Roller fahren, sollten Kinder einen Fahrradhelm tragen. Beim Spielen auf dem Spielplatz hingegen sollte der Fahrradhelm unbedingt abgenommen werden. Es besteht die große Gefahr, dass sich das Kind auf Klettergerüsten oder Rutschen mit dem Kinn-Gurt stranguliert.

Fotos: www.abus.de | pd-f